Abschied von Verstorbenen ohne bestattungspflichtige Angehörige

Von Wilderich von Boeselager

Vor längerer Zeit mussten wir miterleben, dass eine Dame, die in einem Altenheim gestorben war, auf ohne jede Möglichkeit der Anteilnahme anonym beigesetzt wurde. Nach dieser Erfahrung haben wir uns vorgenommen, diesen uns sehr unwürdig erscheinenden Zustand zu beenden.

Wilderich von Boeselager
Wilderich von Boeselager
Es folgten im Herbst 2003 Gespräche mit unserem Bürgermeister. Nach der Klärung der Rechtslage wurde uns dann die Möglichkeit eröffnet, für diese Personen im Bestattungshaus der Familie Kämmerling in Lendringsen vor der anonymen Bestattung eine kleine Abschiedsfeier am Sarg oder mit der Urne zu gestalten. Dieser Dienst, der in unserer Stadt von 60.000 Einwohnern etwa 6 – 8 mal im Jahr zu erwarten ist, gehört wohl wirklich nicht zu den „normalen“ Aufgaben einer ambulanten Hospizgruppe.

Die Erfahrungen des ersten Jahres zeigten uns aber ganz deutlich, dass unsere Entscheidung für diese Aufgabe unbedingt richtig und sehr segensreich ist. Die Vorbereitung und Gestaltung der kleinen Feier wird durch den Bestatter – als freiwilliger, völlig unentgeltlicher Zusatzdienst zu seinen vertraglichen Vereinbarungen mit der Stadt – bestens unterstützt. Auch war der örtliche und konfessionell jeweils zuständige Geistliche jedes Mal ganz unkompliziert bereit, die kleine Feier zu begleiten. Sogar ein Organist ließ sich finden, der sich unserem ehrenamtlichen Einsatz gern angeschlossen hat.

Was hat uns besonders überrascht? Wir waren davon ausgegangen, dass eine kleine Gruppe aus unseren Reihen ganz allein mit dem Bestatter am Sarg stehen würde. Tatsächlich stellte sich aber heraus, dass jedes Mal einzelne Angehörige oder Nachbarn irgendwie von der Feier erfahren hatten und daran teilnahmen. Deshalb baten wir die beiden Lokalzeitungen um das Entgegenkommen, ohne Kosten eine kleine Todesanzeige mit dem Hinweis auf den Termin veröffentlichen zu dürfen. Mendener Zeitung und Westfalenpost haben uns dies spontan zugesagt.

Und was ist das Ergebnis? Jetzt füllt sich der schöne Verabschiedungsraum des Bestattungshauses jedes Mal mit einer richtigen kleinen „Gemeinde“! So holen wir nicht nur die zumeist sehr einsam gestorbenen Menschen ein wenig aus ihrer Anonymität, sondern wir geben auch Personen aus ihrem Umfeld – denn jeder hat doch ein persönliches Umfeld! – Gelegenheit zu Abschied und Gebet.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen kommen die Verstorbenen, die anonym durch das Ordnungsamt zu bestatten sind, sehr oft aus zerrütteten Familienverhältnissen. Durch die Teilnahme an einer würdigen, wenn auch kleinen Gedenkfeier, wird manchmal selbst den nächsten Angehörigen in dieser bitteren Situation ein wenig von einem vielleicht versöhnenden Abschied geschenkt.


Mittellose Verstorbene sollen nicht namenlos bleiben

Bürgermeister Volker Fleige und Hospizkreis stellen Tafel auf

Seit 2005 gestaltet der Hospizkreis Menden zusammen mit einem zuständigen Geistlichen Abschiedsfeiern für Verstorbene ohne bestattungspflichtige Angehörige. Diese für einen ambulanten Hospizkreis nicht übliche Aufgabe war das Ergebnis einer unbefriedigenden Erfahrung: Eine Altenheimbewohnerin verstarb und keiner konnte sagen, wo ihr Leichnam geblieben war. Ein Bestattungsunternehmen hatte ihn abgeholt. Wie später zu erfahren war, wurde ihre Urne im Auftrag des Ordnungsamtes anonym beigesetzt ohne Möglichkeit der Verabschiedung.
Bürgermeister Volker Fleige und Hospizkreis stellen Tafel auf.
Bürgermeister Volker Fleige und der Hospizkreis Menden e.V, stellen eineTafel und Namensschilder auf.
Foto: © Frank Saul - Hellweger Anzeiger

Diesen unwürdigen Zustand wollte der Hospizkreis beenden. Dass seine Entscheidung richtig war, zeigt die Tatsache, dass immer öfter Verwandte, Bekannte und Freunde diese Möglichkeit des Abschiednehmens gerne annehmen. Da diese Verstorbenen sich nicht für eine anonyme Urnenbestattung entschieden hatten, sondern eine solche als für die Kommune kostengünstigste Möglichkeit in Erwägung gezogen wird, ist es für den Hospizkreis ein Anliegen, diese Toten nicht in der Anonymität verschwinden zu lassen.

Auch ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Verwandte eines Verstorbenen gerne wissen wollten, wo sich die Urne befindet, um einen Ort für ihre Trauer zu haben. Deshalb brachten am 12. Oktober 2011 aktive Mitglieder des Hospizkreises im Beisein unseres Bürgermeisters Volker Fleige am anonymen Urnenfeld auf dem Waldfriedhof Am Limberg eine Tafel an. Darauf steht der tröstliche Spruch nach Jesaja 43,1:

Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen.

Für jeden einzelnen Verstorbenen, der vom Hospizkreis in einer kleinen Feier verabschiedet wurde, wird seit 2011 ein kleines Schild aus Holz am Rande des anonymen Feldes in die Erde gesteckt. Darauf sind Name, Geburts- und Todesjahr vermerkt. Ein Dankeschön an dieser Stelle an das Ehepaar Lutz und Gabriele Gajak aus Lendringsen, die diese Schilder ehrenamtlich anfertigen


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