Hospizkreis Menden e.V.
Am Ende des Lebens
Erfahrungen in der Sterbebegleitung

"Sterben dort, wo man zuhause ist". Das ist der Wunsch der meisten Menschen. Der Hospizkreis setzt sich dafür ein, dass dieser Wunsch erfüllt werden kann.

Nach einer Studie der Universität Augsburg besetzt das Wort Hospiz bei vielen Menschen die Vorstellung, in Kürze sterben zu müssen. Deshalb nehmen sie erst Kontakt mit dem Hospizkreis auf, wenn der Betroffene schon im Sterben liegt. Eine intensive Beziehung zum Sterbenden lässt sich dann nicht mehr aufbauen.

Die Erfahrungen der Sterbebegleiter des Mendener Hospizkreises zeigen: Wenn eine Begleitung sich über Wochen oder Monate hinzieht, kann diese für den Sterbenden sehr hilfreich sein. Oft ist es möglich, in kürzester Zeit ein Vertrauensverhältnis aufzubauen; denn Verschwiegenheit ist eine selbstverständliche Voraussetzung der Hospizarbeit.

Es ist für manchen Kranken leichter, die Dinge, die schon immer einmal oder noch unbedingt berichtet werden müssen, vor allem im privaten Bereich, einer neutralen Person mitzuteilen. Wir als Sterbebegleiter erleben diese menschliche Nähe immer wieder als Geschenk.

Jede Begleitung ist anders. Das hängt von den besonderen Umständen, der Persönlichkeit des Betroffenen und seiner Sterbephase ab. Wir erleben Menschen, die mit sich im Reinen, gläubig, versöhnt und zufrieden sterben. Manche sind jedoch verzweifelt und hadern mit sich, Gott und der Welt. Sie halten am Leben fest und können nicht sterben, obwohl die Ärzte schon lange damit gerechnet haben.

Wir Sterbebegleiter müssen vor allem achtsam und einfühlsam sein, besonders wenn der Kranke nicht mehr über Worte kommunizieren kann. Mit unserem einfach da sein entlasten wir die Angehörigen, so dass diese auch einmal Zeit zur freien Verfügung haben.

So erlebte eine Mitarbeiterin im Hospizdienst, dass ein Sohn, der seinen krebskranken Vater pflegte, sie mit Kaffee und Gebäck versorgte, bevor er das Haus verließ; dass eine Frau, nachdem Adventslieder gesungen wurden, friedlich verstarb; dass ein Sohn während einer Nachtwache auf der Gitarre spielte und leise dazu sang; dass einer alten Dame noch einmal das Lieblingsessen gekocht wurde, von dem sie dann nur noch wenig probieren konnte; dass ihr als Sterbebegleiterin in den Nachtstunden im Krankenzimmer zur Verstärkung ein Hund zu Füßen und ein weiterer im Hausflur vor dem Zimmer lag.

Viele Begleitungen am Lebensende sind von einem friedlichen, sich gegenseitig bereichernden Miteinander geprägt wie z.B. die Besuche bei einer 80-jährigen Frau. Sie war traurig darüber, dass sie viele schöne Dinge nicht mehr machen konnte, auch eine schon länger geplante Reise. Sie nahm aber ihre Krankheit an und redete offen darüber mit ihrem Mann und der Familie. Sie sorgte sich um ihren Mann und riet ihm, nach ihrem Tod zu seinem Sohn zu ziehen. Sie war Mittelpunkt der Familie, hatte auch ihr Pflegebett mitten im Wohnbereich. So lange es ihr möglich war, saß sie in ihrem Sessel im Wohnzimmer. Für sie, ihren Mann und ihre Schwester war es hilfreich, wenn sie sich mit der Mitarbeiterin des Hospizkreises bei Kaffee und Kuchen austauschen konnten.

Neue Erfahrungen sammelte eine Hospizmitarbeiterin während der Begleitung einer über 90-jährigen dementen Frau in einem Altenheim. Essen und Medikamente lehnte die Bewohnerin strikt ab. Manchmal flehte sie mit gefalteten Händen, als ob sie hätte erlöst werden wollen. Sie hörte noch gut. Beim Sprechen des Vater unser merkte die Sterbebegleiterin, dass die alte Frau das Gebet kannte und dass es ihr gut tat.

Die Wirkung eines Gebets, hervorgeholt aus dem Langzeitgedächtnis, sollte man vor allem bei Demenzkranken nicht unterschätzen.


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