Was wir zutiefst sind, ist zeitlos.
Es erscheint nur in Zeit und Form.

Willigis Jäger

Menschen achten

Es geht nicht nur darum, in Würde zu sterben, es geht auch darum, in Würde zu leben

Die Mitglieder des Mendener Hospizkreises sind Menschen, die sich mit dem Tod und dem Leben davor ganz bewusst auseinander setzen und bereit sind, in aller Öffentlichkeit über ihre Einstellung zu sprechen.

Diese Einstellung hat sie dazu gebracht, sich im Hospizkreis zu engagieren – damit das Thema Sterben und Tod aus der Tabu-Zone herauskommt und seinen Schrecken verliert. Denn bei allen Unterschieden, die man an den hier vorgestellten Personen und Persönlichkeiten feststellen kann:

Alle berichten, dass der Umgang mit dem Thema, der Umgang mit Kranken, mit Sterbenden und Gestorbenen ihnen dabei hilft, die Furcht vor dem eigenen Ende zu verringern, extrem zu verringern. Einige sehen dem eigenen Tod sogar sehr gelassen entgegen. Was sie weiter eint: Die Würde eines jeden Menschen bis hin zum Tod zu achten, ist nicht nur ihr persönliches Anliegen. Sie wollen dafür arbeiten, dass im zwischenmenschlichen Miteinander der liebevolle Umgang, die gegenseitige Wertschätzung, das aufeinander Achten und Rücksicht nehmen, ohne sich selbst dabei zu verlieren, selbstverständlich wird – nicht nur in den letzten Stunden.

Nachfolgend werden einige Mitglieder des Mendener Hospizkreises zitiert:

Wilderich von Boeselager

Wilderich von Boeselager

hofft, dass die Arbeit von Hospizkreisen eines Tages wieder überflüssig ist.

„Die Begleitung Sterbender sollte keine spezialisierte Aufgabe für Experten sein, sondern ein selbstverständlicher Liebesdienst im normalen Zusammenleben.“


Manuela Gäbler

Manuela Gäbler

hat beim Tod ihrer Mutter „nach Gefühl“ gehandelt – richtig, wie sie im Rückblick feststellt

„Ich hab's geschafft, mir den Tod vertraut zu machen, und seitdem liebe ich das Leben umso mehr. Ich habe keine Angst mehr. Ich fühle mich gut gerüstet.“


Conny Schrecke

Conny Schrecke

ist erfahrene Sterbebegleiterin und empfindet erst die Bestattung als Ende ihrer Betreuung.

„Wir gehen sehr behutsam auf einen Sterbenden zu, achten und respektieren seine Bedürfnisse. Wir mischen uns nicht ein. Diskretion ist selbstverständlich.“


Ingrid Camatta

Ingrid Camatta

über ehrliche Gefühle bei anonymen Bestattungen, für die der Mendener Hospizkreis Trauerfeiern gestaltet.

„Wir achten jeden Menschen als Mensch. Ich muss nicht wissen, wie jemand gelebt hat, um ihm die letzte Ehre erweisen zu können.“


Andrea Schmidt

Andrea Schmidt

wollte lernen, mit Sterben, Tod und Trauer so umzugehen, dass sie heil daraus hervorgeht.

„Ich habe jeden Moment gelebt und bin im Frieden – auch mit meinen Umwegen. Ich fänd's superschade, wenn ich morgen sterben würde. Aber es wäre okay.“


Barbara Blanke

Barbara Blanke

über die meist übertriebene Vorstellung, von dem, was am Sterbebett „geleistet“ werden muss.

„Als gesunder Angehöriger hat man meist gar keine Ahnung, wie wenig ein Kranker wirklich braucht. Ganz einfach ,da‘ sein, ist oft schon genug.“


Uta Lahme

Uta Lahme

hat erlebt, dass eine Tod bringende Krankheit die Chance birgt, langsam Abschied zu nehmen.

„Ich habe eigentlich gute Erfahrungen mit Krankheit und Tod gemacht – also „gut“ im Sinne von „in Ordnung“.


Anni Grüne

Anni Grüne

über die wenig hilfreiche Herangehensweise an ein für alle unabwendbares Thema.

„Warum wird in unserer Gesellschaft der Tod als eine Last angesehen? Das stimmt doch gar nicht! Es ist lediglich der Abschluss dieses Lebens.“


Heidi Hassel

lHeidi Hassel

wollte nicht mehr verdrängen, sondern sich bewusst mit „Abschied nehmen“ auseinandersetzen.

„Viele Menschen haben Angst, dem Tod nicht gewachsen zu sein. Deshalb wird er emotional verdrängt und ins Krankenhaus verschoben.“


Elisabeth Günther
Elisabeth Günther ist im Sommer 2012 auf eigenen Wunsch aus dem Hospizkreis ausgetreten.

Elisabeth Günther

ist beim Hospizkreis an Grenzen gestoßen, denen sie sich vorher „freiwillig“ nie genähert hätte.

„Eigentlich ist es zweitrangig, was man glaubt. Der Glaube an sich hilft. Vor allem ein Glauben in der Richtung 'es geht gut weiter, was auch immer geschieht.'“


Stichwort:
Ein Kreislauf, oft auch mit dem Fremdwort Zyklus umschrieben, beschreibt eine Kette von Ereignissen bei denen Anfangs- und Endzustand identisch sind, bzw. kein Start- und Endzustand festlegbar ist.
Kreisläufe finden sich überall in unserem Leben, angefangen vom Blutkreislauf, über den Kreislauf des Wassers, bis hin zum Kommen und Gehen von Tag und Nacht.

Alles Sterben macht anderes Leben möglich, bringt neues Leben mit sich

Der Tod ist nicht nur ein Teil des Lebens, er ist sogar das einzige, das schon bei der Geburt fest steht. Man weiß nicht, wie und wann, aber sicher ist dass. Es kann nicht schaden, sich darauf vorzubereiten. – Sowohl auf den Abschied von einem Menschen, der einem nahe steht, als auch auf den Abschied von den Menschen, die einem nahe stehen. In der Phase meines Lebens, in der ich meinen Eltern beweisen konnte, wie wert und wichtig sie mir sind, habe ich erlebt, wie viel Halt ihr Glauben ihnen gegeben hat. Für sie war der Tod eine Tür in ein anderes Leben. Sie sind aufrecht, ohne Furcht, hindurch gegangen.

Die Natur beweist uns Tag für Tag, Jahr für Jahr, dass alles Sterben anderes Leben möglich macht, neues Leben mit sich bringt. „Es knospt unter den Blättern. Das nennen sie Herbst“, sagt Hilde Domin und dreht mit dem zweiten Satz das Bild, das sie mit dem ersten aufbaut, um.

Ein Kreislauf, auch in die andere Richtung gedacht.  


© 2006 Text: Karin Drolshagen
© 2006 Fotos: Gudrun Scholand-Rebbert, Lea Rendenbach, Karin Drolshagen


© 2006 Mendener Zeitung

 

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