Hospizkreis Menden e.V.
Spiritualität in der Sterbebegleitung
(frei nach Erhard Weiher)

Wenn ein Mensch unheilbar krank ist, versuchen Ärzte einen medizinischen Behandlungsplan zu erstellen, der bei Aussichtslosigkeit einer Heilung in eine palliative Schmerzbehandlung mündet. Das Ziel dieser Behandlung ist es, den Patienten so weit wie möglich schmerzfrei zu machen.

Das alleine ist aber nicht ausreichend, denn jahrzehntelange Erfahrungen in der Sterbebegleitung haben gezeigt: So wichtig diese medizinische Versorgung ist, so sehr müssen auch die sozialen, emotionalen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten ernst genommen werden. Spiritualität ist also ein wichtiger Aspekt in der Sterbebegleitung. Fühlen und Tun stehen dabei in Verbindung zueinander.

Es geht nicht um Aktivismus, um pflegerisches oder medizinisches Handeln sondern um die Zuwendung, um das Ernstnehmen und das Einfühlen in das Leid des Kranken. Die offene vorurteilsfreie Haltung des Begleiters ermöglicht dem kranken Menschen, dass er sich wertgeschätzt und trotz all seiner körperlichen, geistigen und seelischen Gebrechen angenommen fühlen kann. Bei religiös orientierten Menschen kann dies das Gefühl des Angenommenseins durch Gott hervorrufen. Diese Spiritualität in der Haltung des Sterbebegleiters kann eine Auswirkung haben auf den Umgang des kranken Menschen mit seiner Krankheit und Hinfälligkeit.

Früher hatten es die Menschen in ihrer spirituellen Ausrichtung einfacher als heute. Die Religionen gaben Normen, Werte und Anschauungen vor. Heute sind Lebensziele und persönliche Werte sehr individuell. Vorstellungen vom Leben und Sterben sind oft unterschiedlich.

Deshalb ist es für den Begleiter als Helfer wichtig herauszufinden, was der Kranke mit seinen oft symbolhaften Aussagen ausdrücken will, um ihm bei seiner Lebensdeutung und Sinnsuche weiterzuhelfen. Nehmen wir als Beispiel das Foto der Enkelkinder, das auf dem Nachttisch steht. Es kann bedeuten: "Sie sind so jung, haben das ganze Leben noch vor sich. Ich hatte mit ihnen meine Freude. Das Leben geht immer weiter."

In Anbetracht der Enkel kann für den kranken Menschen auch spürbar werden: "Meine Kräfte lassen immer mehr nach, ich bin alt, gehe auf das Ende zu, Zeit für eine Lebensbilanz." Nach Sigmund Freud symbolisiert der Mensch, weil er Mensch ist. Was ihn zutiefst bewegt, teilt er nicht sachlich rational sondern symbolisch mit.

Nun ist die Kunst des Helfers gefragt, mit den ihm angebotenen Symbolen hilfreich und vertiefend umzugehen und sie nicht falsch oder gar verletzend einzusetzen. In den persönlichen Symbolen eines Menschen drückt sich seine ganz individuelle Spiritualität aus. Deshalb gilt es alle Symbole zu würdigen auch die, die manchmal gerade von alten Menschen nebenbei oder verschämt geäußert werden.

Der Übergang vom Leben zum Tod ist nicht erklärbar. Man kann ihn als Helfer "begehbar" machen. Verschiedene Rituale können den sterbenden Menschen bis an das Ende des Lebens, sozusagen bis ans "Tor" begleiten, den Weg jedoch muss der Betroffene selbst gehen. Solche Rituale der begleitenden Seelsorge können sein: Kreuzzeichen, Gebet, Kommunion, Segen, Krankensalbung aber auch die Hand halten, Kerzen entzünden oder eine Lieblingsmusik einspielen.

Im Unterschied zu therapeutischen Ritualen, die einen psychischen Prozess abschließen, eröffnen religiöse Rituale einen Weg, den der Begleiter nicht abschließen kann, den er im Vertrauen einem Anderen, einem höheren Wesen in die Hand legen muss.

Der Mensch sucht nach einem Hintergrund, nach einem tiefen Sinn, der alles umfasst. Spiritualität ist letztendlich, in welcher Beziehung der Mensch zu diesem Geheimnis des Lebens steht, wie er damit umgeht. Das wird durch sein Verhalten sichtbar: Fühlt er sich verlassen, dem Schicksal ausgeliefert oder vertrauensvoll hoffend, zuversichtlich, innerlich getragen.

So kann jede Religion heilsam, jede Spiritualität gut sein, so lange sie eine vertrauenswürdige heilsame Botschaft beinhaltet. Menschen haben deshalb auch verschiedene spirituelle Zugänge zu diesem "letzten Geheimnis".


Am Ende des Lebens


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