Hospizkreis Menden e.V.
Sterbebegleitung

Sterbebegleitung: Wann kann sie beginnen? Welche Verpflichtungen gehen Hospizkreismitarbeiter ein?

Von Mensch zu Mensch ist das Motto des Hospizkreises Menden. Unter diesem Leitwort steht auch die Sterbebegleitung, die jedem gewährt wird, der darum bittet, unabhängig von seiner politischen oder religiösen Anschauung.

Viele Menschen verbinden mit Sterbebegleitung: Am Bett des Sterbenden sitzen, seine Hand halten. Diese intime mitmenschliche Geste als letzter Liebesdienst ist in erster Linie dem nahen Angehörigen vorbehalten. Er wird jedoch gerne übernommen, wenn dies von dem Kranken und seiner Familie gewünscht wird.

Generell geht die Initiative für Sterbebegleitung nie vom Hospizkreis aus. Er muss angefragt werden. In der Praxis sieht das so aus: Eine Mitarbeiterin nimmt den Anruf auf dem Hospiztelefon entgegen. In der Regel meldet sich ein Angehöriger, der um Auskünfte, Ratschläge oder um Unterstützung in der Sterbebegleitung bittet.

Geht es um letzteres, wird ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart, das meistens am derzeitigen Aufenthaltsort (Wohnung, Altenheim, Krankenhaus) des Kranken stattfindet. Wichtig ist, dass sowohl die Familie wie auch der Sterbende eine Begleitung wünschen.

Zwei Mitarbeiterinnen, so genannte Koordinatoren reden mit dem Kranken (sofern das noch möglich ist) und seinen Angehörigen. Es geht darum, etwas von deren augenblicklicher Lebenssituation und ihren Wünschen für die Begleitung zu erfahren.

Da der Hospizdienst ehrenamtlich ist und einige der Mitarbeiter berufstätig sind, muss genau überlegt werden, was der Hospizkreis zu leisten in der Lage ist. Nach diesem Gespräch suchen die beiden Koordinatoren eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter (wir haben auch drei Männer, die begleiten) aus, die bzw. der für den Kranken und seine Familie geeignet und in die Sterbebegleitung einzusteigen bereit ist.

Ein zweites Mal geht einer der Koordinatoren zusammen mit dem Sterbebegleiter in die Familie und stellt ihn vor. Nach diesem Kennenlernen finden die Absprachen in direktem Kontakt zwischen Begleiter und Familie statt. Erfahrungsgemäß reichen zu Beginn der Begleitung ein bis zwei Besuche pro Woche. In der akuten Sterbephase besteht die Möglichkeit, dass zwei oder drei Hospizmitarbeiter sich und die Familie bei den Sitzwachen auch nachts ablösen.

Der Sterbebegleiter richtet sich nach dem Bedarf des Kranken und seiner Angehörigen. Kein Mensch ist in der Lage, 24 Stunden am Tag einen Schwerkranken zu betreuen.

Er braucht auch mal eine Stunde Freiraum, in der er guten Gewissens für sich etwas tun oder einfach außer Haus sein kann. In diesem Fall ist der Sterbebegleiter eine große Hilfe. Oftmals tut es den Angehörigen gut, über ihre durch die Krankheit des Partners (des Vaters, der Mutter usw.) veränderte Lebenssituation zu sprechen.

Es bedarf einer einfühlsamen Achtsamkeit des Sterbebegleiters besonders gegenüber dem Sterbenden, wenn er erspüren will, was ihm gut tut. Dafür ist es hilfreich etwas von seiner Biographie zu wissen. Ist es ratsam, eine ruhige Musik-CD aufzulegen oder hatte er im Leben für Musik nichts übrig? Ist Nähe für ihn beruhigend oder braucht er Distanz?

Besonders in der allerletzten Lebensphase, wenn sich der sterbende Mensch nicht mehr artikulieren kann, ist einfühlsames behutsames Erspüren gefragt. Oftmals sollte dann der Sterbebegleiter nichts tun, einfach nur da sein. Dieser Liebesdienst vollzieht sich in der Praxis nicht immer einseitig. Sehr oft gewinnt der Sterbebegleiter an emotionaler menschlicher Reife.

Einen Sterbenden begleiten zu können erfordert eine mitmenschliche Einstellung, die Sterben und Tod als zum Leben gehörend akzeptiert. Eine weitere Voraussetzung dafür ist ein ca. 60 Stunden umfassender Einführungskurs in die Sterbebegleitung und regelmäßige Supervisionssitzungen (Klärung von Unsicherheiten in der Begleitung und Austausch von Erfahrungen in der Gruppe unter Zuhilfenahme eines nicht dem Hospizkreis angehörenden Supervisors, der das Gespräch methodisch und wertungsfrei koordiniert).

Außerdem werden die aktiven Mitarbeiter von Tutoren begleitet. Für die Teilnahme an der Supervision wie für die Sterbebegleitung besteht Schweigepflicht. Jedes Jahr bietet der Hospizkreis für die aktiven Mitglieder zwei Fortbildungen an, die den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer zum Inhalt haben.

Um zu verhindern, dass der Sterbebegleiter überfordert wird und um ihm die Zeit zu geben, die beendete Sterbebegleitung zu verarbeiten, hat der Hospizkreis die Regel aufgestellt, dass zwischen zwei Begleitungen mindestens drei Monate Pause liegen müssen.







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