Hospizkreis Menden e.V.
Stand auf dem Mendener Wochenmarkt

Um in der Öffentlichkeit noch präsenter zu werden und für die Menschen zugänglicher zu sein, hat der Vorstand im Frühjahr 2010 beschlossen, während der Sommerzeit einen Stand auf dem Markt einzurichten, der jeden 2. Freitag von 10:00 bis 12:00 Uhr von zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreut wurde.

In den Jahren 2010 und 2011, jeweils an 11 Vormittagen von Mai bis Oktober, bestand für die Marktbesucher die Möglichkeit, mit diesen Frauen Kontakt aufzunehmen. Die Erfahrungen der Standbetreuerinnen waren vielfältig.

Einige Marktbesucher blieben von weitem stehen, um das Plakat zu lesen und gingen dann weiter. Manche von denen, die näher kamen, beschleunigten ihren Schritt sobald sie angesprochen wurden. Hospiz, Tod und Sterben scheint bei vielen Menschen gemischte Gefühle hervorzurufen.

Wie lässt sich sonst das Verhalten einer Dame verstehen, die nicht genannt werden möchte. Sie winkte eine Mitarbeiterin von weitem zu sich heran und drückte ihr einen 50-Euro-Schein in die Hand, um die Arbeit des Hospizkreises zu würdigen und ging weiter.

Es gab natürlich auch Menschen, die bewusst stehen blieben und das Gespräch suchten. So konnten Missverständnisse über die Arbeit des Hospizkreises direkt vor Ort geklärt werden. Informationen über das Angebot für Trauernde wurden eingeholt.

Es kam auch zu intensiven Gesprächen, in denen Sinn- und Lebensfragen aufgeworfen wurden. Genauso erwähnenswert sind die Begegnungen mit Menschen, die über ihr schweres Leben mit einem sterbenskranken Partner einfach nur erzählen wollten.

In diesem Fall verstanden sich die Hospizkreismitarbeiterinnen als Zuhörer. Wenn eine Frau, bis auf wenige Stunden tagsüber, Tag und Nacht auf ihren alzheimerkranken gehbehinderten Mann achten muss, der im nächsten Moment vergessen hat, was sie ihm sagte, dann auch alleine versucht aufzustehen, obwohl er sich nicht sicher halten kann, ist es verständlich, dass sie bei jedem undefinierbaren Geräusch aufschreckt und ständig nervlich angespannt ist.

Wenn ein Mann über Schwierigkeiten mit den Behörden während der Pflege seiner Frau, bei ihrem Tod und bei ihrer Beerdigung nicht hinwegkommt, tut es ihm erst einmal gut, wenn er seinem Ärger Luft machen kann. Sich aussprechen, Belastungen von der Seele reden bringt schon eine gewisse Erleichterung.

Die Standbetreuerinnen machten auch die Erfahrung, dass viele Menschen schon besser über den Hospizkreis und seine Aufgaben informiert sind als noch vor Jahren. Gezielt wurde nach der Vorsorgemappe verlangt, die neben anderem Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung zum Inhalt hat.

Interesse fand auch die Broschüre PDF Künstliche Ernährung am Lebensende? (Nein! – oder doch ja? – Ratgeber zur Entscheidung für oder gegen die PEG Magensonde). Beides, Vorsorgemappe und Broschüre sind herausgegeben von der IGSL (Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebenshilfe).

Sogar einen Zuwachs von Mitgliedern konnte der Hospizkreis durch den Stand auf dem Markt verbuchen. Die guten Erfahrungen haben die Mitarbeiterinnen ermutigt, das Stand-Projekt in den folgenden Jahren zu wiederholen.


Trauertreff

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